200 Jahre Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler

Vor 200 Jahren im Jahre 1821 wurde Wilhelm Heinrich Schüßler geboren. Er entwickelte die nach ihm benannten Biomineralien und damit ein bis heute als logisch nachvollziehbar geltendes Naturheilverfahren, das sich nach wie vor einer großen Anhängerschaft erfreut.

Millionen Nutzer schätzen die sanfte Kraft der Schüßler-Salze, die bei vielerlei Beschwerden hilft. Die nebenwirkungsfreien Tabletten der „Biochemischen Heilweise“ finden sich deshalb in unzähligen naturheilkundlichen Hausapotheken. Entwickelt hat diese Therapie mit Biomineralien der aus Bad Zwischenahn stammende homöopathische Arzt  Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler.

 

Schüßlers Inspiration

Wilhelm Heinrich Schüßler war zu seiner Zeit beeindruckt von den Erkenntnissen des Universalgelehrten Rudolf Virchow. Dieser stellte an der Berliner Charité die bahnbrechende These der „Zellular­pathologie“ auf und legte damit die Basis für unser modernes Medizinverständnis.

Daraufhin untersuchte Schüßler in Oldenburg, was es eigentlich ist, das die Zellen gesund und leistungsfähig hält. Er kam zu dem Schluss, dass jede Körperzelle ihren spezifischen Bedarf an Mineralstoffen hat. Wird dieser lebensnotwendige Nährstoffstrom geschwächt oder unterbrochen, sinkt die Leistungsfähigkeit der Zellen, was zu Funktionsstörungen führt, die sich wiederum als Krankheiten äußern können.

 

„Vor etwa einem Jahre nahm ich mir vor, auf dem Wege des Experimentes zu ermitteln, ob es möglich sei, sämmtliche überhaupt heilbare Krankheiten mittels derjenigen anorganischen Substanzen zu heilen, welche die natürlichen, d. h. physiologischen Functionsmittel des Organismus sind. Es mussten daher Kalk, Magnesia, Kalium, Natrium und Eisen in ihren Verbindungen mit respective Schwefelsäure, Phosphorsäure, Chlor und Fluor, nebst Silicea in Anwendung kommen“, schrieb Schüßler 1873 in einem Artikel in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung.

 

Zudem führte er in dem Beitrag mit der Überschrift „Eine abgekürzte homöopathische Therapie“ zwölf Mineralsalze auf, die er in späteren Publikationen als „biochemische Funktionsmittel“ bezeichnete. Sie bilden das Grundgerüst der Schüßler-Therapie, die nach dem Tod des Pioniers um zwölf weitere Salze, die sogenannten Ergänzungsmittel, erweitert wurde.

Schüßlers Salze

Die biochemischen Funktionsmittel sind homöopathisch potenzierte Mineralsalze. Dennoch sind sie nicht mit Homöopathika gleichzusetzen. Die Auswahl der passenden Schüßler-Salze erfolgt nämlich nicht nach dem Ähnlichkeitsprinzip der Homöo­pathie „Similia similibus“ (Ähnliches wird mit Ähnlichen geheilt). Stattdessen basiert sie auf physiologisch-chemischen Vorgängen auf Zellebene. Die Biomineralien geben einen Impuls, der die Körperzellen dazu befähigt, benötigte Mineralstoffe aus der Ernährung besser aufzunehmen und zu verteilen.

Damit steht die Schüßler-Therapie zwischen der Homöo­pathie und der nach naturwissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichteten Medizin. Und obwohl sie anfangs weder von den Homöopathen noch von den hochschulmedizinischen Kollegen anerkannt und akzeptiert wurde, fand die Biochemie sowohl bei Laien als auch bei Ärzten immer mehr Anhänger. Aus heutiger Sicht ist die Wirkungsweise der Schüßler-Salze wissenschaftlich zwar nicht zu erklären, doch die Erfahrung in der Praxis zeitigt bis heute überraschende Erfolge.

200 Jahre Schüßler-Salze: Vortragsreihe mit Peter Emmrich

Schüßlers Vermächtnis

Dr. Schüßler selbst behandelte in seinen letzten Lebensjahren seine Patienten ausschließlich mit biochemischen Mitteln. Anfang 1898 erlitt er bei den Arbeiten zur 25. Auflage seiner „Abgekürzte[n] Therapie“ einen Schlaganfall, der ihm alle Kräfte raubte, so dass er schließlich am 30. März sanft entschlief. „Mit Dr. Schüßler verliert unsere Vaterstadt einen ihrer originellsten Typen“, hieß es tags drauf in einem Nachruf in der Oldenburger Tageszeitung, in dem bei aller Freundlichkeit ein gewisser Vorbehalt nicht verschwiegen wurde: „Wer kannte den rüstigen Alten nicht, wenn er in seinem langen Schoßrock und in der blanken Schirmmütze dahinschritt, trotz seiner weißen ­Haare mit hellen Augen in die Welt blickend. Und wie er rein äußerlich starr am Alten festhielt, so auch in seinen Gesinnungen. Was er einmal für Recht ­erkannt hatte, das verteidigte er mit eiserner Beharrlichkeit.“

Buchtipp

Dr. med Wilhelm Heinrich Schüßler. Arzt aus Leidenschaft.

Autoren: Peter Emmrich und Prof. Dr. Gert Oomen

Thematik: Die Autoren betrachten neben dem Werk und dem Leben
des Arztes auch seine Wirkung und betten die Heilmethode in medizingeschichtliches Hintergrundwissen ein.

Verlag: Fischer & Gann, 360 Seiten, 28 Euro (D), 28,80 Euro (A)

 

 

Titelbild: CC0 / fstverlag / Pixabay